Dein unternehmerisches Risiko

Das Thema unternehmerisches Risiko wird oft auf die Seite geschobenen, vorallem wenn man neu in die Existenzgründung startet. Das verdirbt die euphorische Gründerstimmung, kostet zu viel Geld und ist generell eher was für Pessimisten. All diese Argumente habe ich schon oft gehört und immer dann frage ich mich kopfschüttelnd, ob ich tatsächlich ein Pessimist und Spielverderber bin, weil es eines der ersten Themen ist, welches ich im Gespräch mit jungen Freelancern anspreche.

Sag du es mir!

Disclaimer: Es gibt mit Sicherheit passendere Momente um diesen Artikel zu posten, doch da ich schon eine Weile vor Corona dieses Thema auf dem Zettel hatte gibt es ihn trotzdem oder gerade deshalb. Ich möchte in keinster Weise den Anschein erwecken, dass dieser Artikel in der aktuellen Situation helfen kann, mit diesem Artikel möchte ich all diejenigen auf ein Thema aufmerksam machen und eine To do Liste mit an die Hand geben, die neu in die Selbstständigkeit starten oder noch tiefer einsteigen möchten. Das Risikomanagement muss vor eine Krise stattfinden. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Finanzberatung!

Für mich kam das Thema unternehmerisches Risiko recht früh auf den Tisch, denn wer den sicheren Nebenjob kündigt, nach dem Studium oder der Ausbildung keine Festanstellung anstrebt und noch dazu mit größeren Kundenprojekten hantiert, wovon die wenigsten außerhalb der Branche (zumindest in meinem Umfeld) Ahnung haben, der muss sich nicht nur einmal die Frage stellen lassen, was man denn vorhabe wenn es schief geht?

Im Folgenden findest du mögliche Risikobereiche für dich als selbstständigen Filmemacher, Anregungen zur Risikominimierung und meine eigene Erfahrung zu Thema.

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Mögliche eintreffende Fälle und Risikobereiche:

  • keine Aufträge/Auftragsflaute, gerade am Anfang kommt sowas öfters vor oder wenn man sich zu sehr auf ein paar wenige Stammkunden verlässt und diese dann nicht mehr buchen.
  • der Kunde zahlt nicht, sei es aufgrund einer Meinungsverschiedenheit über die abgelieferte Leistung, die Insolenz des Kunden oder eines Betrug, trotz Verträgen kommt es immer wieder einmal zu nicht bezahlten oder viel zu spät bezahlten Rechnungen.
  • eigene Erkrankung kann immer passieren und meistens kommt sie dann wenn man sie nicht braucht. Wenn es wirklich dazu führt, dass man seiner eigenen Arbeit temporär nicht mehr nachkommen kann führt das zu Umsatz und Gewinnrückgang, ggf. sogar Mehrkosten.
  • Drehausfall, ein sehr wichtiges Crewmitglied fällt wegen Krankheit oder Verspätung aus und kann nicht ersetzt werden, das Wetter macht einen Strich durch die Rechnung, Technik geht kaputt oder wichtige Genehmigungen wurden vergessen… das und viel mehr kann zum Drehausfall oder Drehabbruch führen. Wenn es dein eigenes Verschulden ist kann dir das teuer zu stehen kommen, denn der Kunde will die bestellte Leistung fristgerecht.
  • unerwartete Steuernach- oder vorrauszahlungen können dich schmerzhaft treffen, wenn das Geld nicht vorhanden ist, sowohl privat als auch beruflich.

Deine private Existenz

Als Selbstständiger und Unternehmer bist du voll und ganz selbst für sich verantwortlich. Das betrifft ganz offensichtlich dein monatliches Einkommen, um den Lebensunterhalt von dir selbst und deiner Familie sicherzustellen, es betrifft aber auch deine persönliche Absicherung. Sprich Krankenkasse, Altersvorsorge, private finanzielle Rücklagen und Versicherungen für unvorhergesehenes (zb Haftpflichtversicherung Unfallversicherung, Auslandsversicherungen, Hausrat, KFZ,…)

Es besteht das nicht zu verachtende Risiko selbst vor dem Nichts zu stehen, wenn der Fall der Fälle eintritt.

So kannst du das Risiko verringern: Erstelle eine Liste mit allen privaten Kosten, von Miete über Versicherungen, Nahrungsmittel, etc. vergiss deine Altersvorsorge und dein Sparkonto nicht. (Das musst du auch machen wenn du deinen Tagessatz und dein monatl. Mindesteinkommen berechnen möchtest hier geht zum Artikel)

Teile alle Kostenpunkte in verzichtbar, temporärverzichtbar und unverzichtbar. So hast du im Risikofall eine Liste und kannst sofort deine Ausgaben überblicken und schnell reagieren und einkürzen. Bei der Gelegenheit kannst du auch überprüfen ob du wirklich alles brauchst. 

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Alle unverzichtbaren Kosten und Verbindlichkeiten, wie zb Schuldentilgung, ergeben deine Summe X, zb 1000€. Diese 1000€ solltest du auf ein ‚Notfallkonto‘ packen, welches du auch wirklich nur im Notfall anrührst. Wenn du mehr als einen Monat absichern möchtest, musst du deine Summe X mit der Anzahl der gewünschten Monate multiplizieren. Beispielsweise ein viertel Jahr wäre 1000 x 3 = 3000€ Notfallreserve. Je mehr Monate desto mehr Zeit hast du deinem Einkommen wieder auf die Beine zu helfen.

Das Notfallkonto kannst du Schritt für Schritt aufbauen. Dein Notfallkonto verschafft dir Zeit. Um diese Notfallkonto herum, kannst du dir noch weitere Sparkonten für Urlaub, KFZ, Steuer, etc aufbauen, ganz nach deinem Geschmack.

Zudem ist es immer eine gute Entscheidung sich nicht zu verschulden, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Vorallem betrifft das die Konsumschuld, sprich der neue TV der finanziert wird, der überteure Urlaub den man sich nicht bar leisten kann oder das vollausgestattete neuste Auto… all diese Schulden treiben die monatlichen Fixkosten in die Höhe und glaubt mir mit denen die das Geld von euch wollen ist in der Regel nicht zu spaßen, falls ihr eure Rate nicht zahlen könnt.

Für mich und meine Frau haben wir entschieden: Was wir nicht bar zahlen können, wird nicht gekauft. So haben wir gebrauchte Autos, unser 43´ Smart TV ist schon 3 Jahre alt, mein Handy 7 Jahre und unser Urlaub wird sofort gezahlt und nicht mit Raten finanziert. Wenn wir uns aktuell etwas nicht leisten können kaufen wir es nicht, sparen und investieren jeden Monat eine feste Summe und haben unsere Finanzen mit einer monatlichen  Einnahmen-Ausgaben Tabelle fest im Griff.

Deine berufliche Existenz

…kann manchmal schneller vorbei sein als du denkst. Und zwar dann, wenn du vom ständigen Geldfluss abhängig bist. Das ist der Fall, wenn du dein Unternehmen/Selbstständigkeit so eng kalkulierst, dass deine Einnahmen, sobald sie auf deinem Konto angekommen sind, zu Ausgaben werden. Selbstverständlich müssen die Kosten gedeckt werden, so werden zwangsläufig die Einnahmen zu Ausgaben. Ich meine hier im Prinzip das selbe wie bei deiner privaten Existenz. Achte darauf, das deine monatlichen Ausgaben nicht explodieren, dass du dir im Klaren bist welche Fixkosten monatlich anfallen und deine monatliche Einnahmen-Ausgaben Rechnung nicht zu knapp ist.

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Da deine berufliche Existenz direkten Einfluss auf deine private Existenz hat, ist es noch dringender, dass du Einnahmenausfälle über einen bestimmten Zeitraum kompensieren kannst. Ansonsten wirst du zwangsläufig in die Situation kommen, dass du private Mittel in die berufliche Kasse steckst. Im Prinzip ist das dann, wenn man es spitz auf Knopf sieht, eine Insolvenzverschleppung, weil dein Unternehmen ohne Finanzhilfen zahlungsunfähig wäre. Solange du private Mittel zuschießt ist rechtlich noch alles ok. Wenn es aber größer Ausmaße annimmt bewegst du dich langsam aber sicher ins rechtliche Abseits. In Deutschland ist eine Insolvenzverschleppung strafbar.

Auch hier ist meine Empfehlung aus eigene Erfahrung, halte deine Kosten klein, auch wenn die Einnahmen wachsen. Verschaffe dir mit der oben erwähnten Liste einen Überblick über deine Kosten. Lege dir für dein Unternehmen ein Notfallkonto an, welches die Kosten für mehrere Monate decken kann, wenn deine Einnahmen ausbleiben oder sich verspäten.

Damit kannst du das Risiko für eine Pleite bei Einnahmenausfall verkleinern, ohne private Mittel einsetzen zu müssen.

Es gibt aber auch noch Schadensfälle die hohe Kosten verursachen können. Sachschäden und Personenschäden, beides ist nicht zu vernachlässigen. Deine Location kann am Dreh beschädigt, die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen werden, gemietete oder eigene Technik kann zu Bruch gehen und Kunden oder Kollegen können bei einem Unfall, zb ein umfallendes Lampenstativ oder stolpern über Kabel, zu Schaden kommen.

Hierfür gibt es Versicherungen. All das, bis auf den Schaden an der eigenen Technik (Elektronikversicherung), deckt eine gute Betriebshaftpflicht ab, die für jeden Selbstständigen und Unternehmer eine unbedingte Pflichtversicherung ist! (Oft ist auch der privates Bereich inkludiert, so spart man sich die Privathaftpflicht) Ohne die gehts in meinen Augen nicht und als Soloselbstständiger bekommt man eine gute Betriebshaftpflicht für 300-500€ im Jahr.

Auch für den Fall, dass man selbst längere Zeit krank wird, lohnt es sich die Zusatzoption des Krankengeldes ab der 7. Woche bei der Krankenversicherung zu wählen.

Was wenn aber ein Kollege am Tag des Dreh aus irgendeinem Grund ausfällt?

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In diesem Fall ist nichts wertvoller und kostengünstiger, als ein richtig gutes Netzwerk mit Kollegen aller Gewerke. Es ist um Welten die bessere Wahl einen Dreh verspätet zu beginnen und ein paar Überstunden zu machen/zahlen, als den Dreh abzublasen und neu planen zu müssen. Gleiches gilt bei kaputter Technik. Hast du gute Verleiher an der Hand die schnell und spontan aushelfen können? Die entstandenen Mehrkosten eines Drehausfalls kannst du dem Kunden nämlich nicht in Rechnung stellen. Darauf bleibst du am Ende sitzen, das ist dein unternehmerisches Risiko.

Steuern sind in der Regel das Hassthema bei Selbstständigen, vorallem in den ersten Jahren, wenn man noch keine Erfahrung damit gemacht hat. Da kann man schnell von hohen Nachzahlungen oder Vorauszahlungen überrascht werden. Auch hier ist Vorbereitung alles.

Ich habe zu Beginn meiner Selbstständigkeit eine Regel im Bezug auf die Einnahmen aufgestellt. Zuerst wird die Umsatzsteuer auf ein separates Konto geschoben und dann, wenn die Produktionskosten abgezogen sind, kommen 30% des  übrigen Geld, dem Gewinn, ebenfalls auf ein separates Konto für die Steuer. Wenn die Gesamteinnahmen steigen muss dieser Prozentsatz ebenfalls steigen, weil dein Steuersatz ebenfalls steigen wird. Ggf. kommt auch die Gewerbesteuer noch dazu. Dieses Geld, welches ich im ganzen Jahr, beispielsweise im ganzen Jahr 2019, auf die Seite gelegt habe, bleibt solange unberührt, bis der Steuerbescheid für 2019 da ist. Dann wird davon die Steuer gezahlt. Wenn etwas übrig bleibt, habe ich dieses Geld auf mein Rücklagen und Investitionskonto der Firma gelegt, da ich es bisher nicht gebraucht habe, kann ich es ohne Bedenken auch weiterhin auf der Seite liegen lassen und für später aufheben. Wenn das Geld nicht reicht muss ich aus dem Umlaufvermögen zuschießen. So handhabe ich das und fahre damit seit über 5 Jahren sehr gut und bin bisher durch keinen Steuerbescheid in ein finanzielles Loch gefallen, auch wenn die Summe immer wieder wehtut. Wenn deine Steuer bzw. dein Gewinn immer weiter steigt, musst du mit Vorauszahlungen rechnen und bereits jetzt 2020 die Steuer für 2020 quartalsweise vorauszahlen und nicht erst mit dem Steuerbescheid, welchen du im kommenden Jahr bekommst bezahlen. Das heißt die zurückgelegten 30% vom den Einnahmen gehen quartalsweise zum festgelegten Betrag an das Finanzamt. Wenn deine Einnahmen dieses Jahr steigen, lege mehr zurück das eine mögliche Nachzahlung (weil die Vorauszahlungen zu niedrig waren) auch gedeckt ist.

Am Ende geht es in den meisten Fällen ums Geld. Ohne ist man arm dran, kann aber immerhin nichts mehr verlieren, mit Geld hat man zwar mehr Möglichkeiten aber die Fallhöhe wird mit steigendem Vermögen höher…

Oben habe ich oft geschrieben, dass man sich durchaus auch höhere Beträge zurücklegen muss, um Risiken zu verkleinern und den Fall der Fälle abfedern zu können. Diese Rücklagen sind selten von heute auf morgen vorhanden. Du musst sie Stück für Stück, sowohl privat als auch beruflich, aufbauen. 

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Ich habe bereits einen Artikel veröffentlich, in dem es um das richtige Kalkulieren deiner Tagesgage geht, hier kommt zusätzlich die Projektkalkulation ins Spiel. Da gerade, was die beruflichen Rücklagen angeht, die Unternehmensgewinne, wirtschaftlichen Puffer und Handlungsspielräume nicht beachtet werden, ist es um so wichtige hier Selbstbewusstsein in der Kalkulation zu erlangen. Egal ob Angst vor eine Auftragsabsage oder Unwissenheit im Spiel sind, tu es für dich, denn letztlich wird immer am falschen Ende gespart und das ist in der Regel deine Gage, deine finanzielle Absicherung, dein Leben.

Im Coaching Filmemacher und Unternehmer kannst du genau dieses Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufbauen. Gemeinsam arbeiten wir uns durch deine persönliche Situation. So hast du einen vollständigen Überblick über dein Unternehmen, kennst deine Zahlen, deine Möglichkeiten und deine Risiken.

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